A Shorty Rain Drama

Kapitel: „Der Morgen, an dem Dale streikte”

Der erste Nachtfrost des Jahres.
Leichter Schneeregen.
Es ist früh. Viel zu früh.

Ich trete mit beiden Hunden vor die Haustür, mental vorbereitet auf das übliche Dale-Morgen-Drama. Überraschenderweise biegt er nicht sofort nach links ab und erklärt die Runde zur Minimalversion. Ich bin kurz euphorisch. Vielleicht wird das ja doch ein ganz normaler Spaziergang?

Wir ziehen los – wie immer Richtung Ententeich. Routiniert. Verlässlich. Kurz dachte ich: Wow. Es läuft.

Tja.
Falsch gedacht.

Denn kaum überqueren wir den Zebrastreifen zur Teichseite, wirft Dale die Bremse rein. Richtig rein. Vier-Pfoten-Vollblock-Modus.

„Nee, Frauchen. Ich geh hier kein Stück weiter. Du spinnst wohl. Es ist dunkel, es ist nass, es ist kalt – und überhaupt.“

Neben ihm: Shorty.
Der Schneeregen glitzert auf seinem Fell, er starrt entzückt in die Dunkelheit und denkt vermutlich:
„HAHA! Wetter ist ein Konzept, das ich nicht verstehe und auch nicht muss! Weiter geht’s!“

Aber Dale?
Dale, mein liebster Schlecht-Wetter-dunkel-morgens-zu-früh-Muffel, macht keine Gefangenen.
Er kommuniziert klar, präzise und unmissverständlich: NEIN.

Also drehen wir ab. Direkt nach der überquerten Straße, im schönsten kleinen „Okay, Dale entscheidet heute“-Bogen geht es an der Turnhalle vorbei, Richtung Heimat.

Während ich hoffe, dass Shorty auf dem kleinen Spaziergang ausreichend Gelegenheit hatte, sich zu lösen, erinnert er mich mit seiner neuen Angewohnheit daran, dass Hoffnung ein fragiles Konstrukt ist.

Denn mein kleiner Mann pinkelt ja jetzt im Stehen.
Sehr erwachsen. Sehr stolz.
Aber eben auch: nicht mehr alles auf einmal.

Was bedeutet?

Während Dale zielstrebig heimwärts läuft und dabei jede Faser seines Körpers „ICH HAB'S DIR GESAGT“ ausstrahlt, trippelt Shorty vergnügt neben mir her, völlig überzeugt davon, dass dieser Morgen ein voller Erfolg war.

Ich hingegen rechne innerlich bereits:

„Okay… das war jetzt eher eine Voranmeldung seiner Blase.
Mit Glück reicht’s bis Mittag.
Realistisch: Vormittags-Servicezeit incoming.“

Stehpinkler eben.
Man teilt sich seinen Vorrat ein. Erwachsen, aber für Frauchen bedeutet das:
Der Timer läuft.

Und so endet unser frostiger Morgenspaziergang wieder einmal genau dort, wo viele Shorty-Dale-Geschichten enden:
Mit einem müden Dale, einem fröhlichen Shorty – und mit mir, die versucht, aus zwei völlig verschiedenen Hundepersönlichkeiten einen harmonischen Start in den Tag zu bauen.

In Shorty-Worten:
Papa Dale schläft noch – und ich bin schon längst auf Betriebstemperatur. 🐾

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