A Shorty Sideview
Training auf der Zuschauertribüne
Training mit zwei Hunden klingt romantisch nach „Teamwork“, „Wir wachsen zusammen“ und „Familienharmonie“.
In Wahrheit bedeutet es aber meistens: einer arbeitet – einer wartet.
Und dieses Warten? Das muss man üben. Richtig üben.
Willkommen auf unserer Zuschauertribüne.
Ein Ort, an dem der gerade nicht-aktive Hund chillt, atmet, entspannt und nicht versucht, ins Training zu poltern.
Warum Warten ein Vollzeitjob ist
Mit zwei Hunden zu trainieren bedeutet nicht nur „nacheinander“ – es bedeutet Selbstbeherrschung auf Augenhöhe, Rücksicht, Frustrationstoleranz und ein bisschen Yoga für die Nerven.
Denn wenn der eine Hund gerade brilliert, muss der andere…
nun ja, ruhig bleiben.
Die Basis dafür liegt – wie so oft – zu Hause im Kleinen.
Da üben wir:
Kurze Mini-Sessions
Niedrige Action beim trainierenden Hund
Kurze Wartezeiten
Klar erkennbare Wechsel
Und ganz viel Verstärkung für „Ich bleib hier und warte“
Denn Warten lernt man wie alles andere: in winzigen, machbaren Häppchen.
Sobald der wartende Hund die Idee verstanden hat, erhöhe ich den Schwierigkeitsgrad.
Ein bisschen mehr Bewegung.
Ein bisschen mehr Spannung.
Ein bisschen mehr „Oooh, das könnte jetzt aufregend werden“ für den, der gerade nicht dran ist.
Und mein Ziel? Kein Drängeln, kein Quietschen, kein „Ich sterbe, weil ich nicht dran bin“.
Sondern ein Hund, der entspannt auf seiner Zuschauertribüne bleibt …
… und nicht im Hintergrund Morsezeichen mit den Pfoten klopft oder sich wie ein kleines Metronom von Sitz zu Steh zu ‚Ich leg mich doch wieder hin‘ durchtaktet.
Vom Wohnzimmersetup zur großen Bühne
Wenn es zu Hause gut klappt, ziehe ich die Übungsschraube weiter an:
Neue Umgebung, neue Ablenkungen, neuer Anspruch.
Also ging es mit beiden Hunden in die Hundesporthalle.
Und ja - da ist alles aufregender:
Neue Gerüche, neue Geräusche, mehr Raum, mehr Energie.
Aber genau hier zeigt sich, wie weit das Wartetraining schon funktioniert.
Und siehe da:
Shorty arbeitet – Dale wartet.
Dale arbeitet – Shorty wartet.
Beide erkennen: Die Zuschauertribüne bleibt die Zuschauertribüne, egal wo sie steht.
Warum das alles?
Weil Training zu zweit kein Chaos-Ballett sein muss.
Weil ich sowohl mit Dale, als auch mit Shorty konzentriert üben möchte, ohne dass der jeweils andere ins Training platzt.
Weil Warten eine Fähigkeit ist, die man lernt wie jedes andere Verhalten auch.
Und weil genau das dafür sorgt, dass wir als Team entspannter wachsen - miteinander und nicht durcheinander.
Fazit: Zwei Hunde, ein Ziel - Teamflow
Ich liebe es, beide Hunde im Training zu erleben.
Wie sie sich abwechseln.
Wie sie Verständnis entwickeln.
Wie sie lernen, dass Pausen nicht Verlust bedeuten, sondern Teil des Spiels sind.
Das fühlt sich an wie ein kleiner Durchbruch im Alltag:
Kein Chaos, keine Eifersucht, kein Gedränge.
Sondern zwei Hunde, die sowohl arbeiten als auch abwarten können.
In Shorty-Worten:
„Warten ist auch Training - nur halt ohne Rumrennen.“ 🐾